Entdeckung
Indium wurde 1863 von dem Physiker Ferdinand Reich und dem Chemiker Theodor Richter an der Bergakademie Freiberg entdeckt. Eigentlich wollten sie mittels Spektralanalyse das seit kurzem bekannte Element Thallium in dem Mineral Sphalerit (Zinkblende) nachweisen. Statt der erwarteten grünen Spektrallinie des Thalliums erschien jedoch eine indigoblaue. Diese konnten sie keinem der damals geläufigen Elemente zuordnen. Seinen Namen verdankt Indium entsprechend der lateinischen Bezeichnung dieser Farbe: indicum. Die geht wiederum auf Indien zurück, von wo der Farbstoff Indigo über viele Jahrhunderte lang nach Europa exportiert wurde.
Ferdinand Reich, KI-Darstellung
Hieronymus Theodor Richter, KI-Darstellung
Indium wurde 1867 auf der Weltausstellung in Paris vorgestellt. Eine oft erzählte, aber historisch nicht belegbare Anekdote besagt, dass die Öffentlichkeit jedoch nur einen Bleibarren zu sehen bekam. Einen echten, eigens dafür hergestellten Indiumbarren präsentierte der Entdecker Theodor Richter währenddessen heimlich einem Fachpublikum.
Gewinnung
Die kommerzielle Produktion von Indium begann in den 1940er Jahren. Laut US Geological Survey (USGS) waren die Vereinigten Staaten bis 1951 der größte Hersteller von raffiniertem Indium. Dabei stieg die Jahresproduktion von wenigen Hundert Kilogramm auf nahezu fünf Tonnen an. In den folgenden Jahrzehnten gewannen weitere Länder an Bedeutung, darunter Südkorea, Japan und Kanada, in geringerem Maße auch Frankreich, Deutschland und Belgien.
Über die Jahre zeigten Nachfrage und Produktionsmengen deutliche Schwankungen. Ab den späten 1980ern war jedoch ein Aufwärtstrend zu beobachten, angetrieben durch den wachsenden Bedarf in den Sektoren Displays, Halbleiter, Optoelektronik und Legierungen. Auch als Lotmaterial in der Elektronik nahm die Bedeutung von Indium zu.
In den 2000ern baute China seine Fertigungskapazitäten stark aus und ist mittlerweile der mit Abstand größte Produzent, gefolgt von Südkorea. Die weltweit produzierte Menge an raffiniertem Indium lag im Jahr 2025 bei etwa 1.000 Tonnen. Damals wie heute wird Indium überwiegend als Nebenprodukt der Zinkherstellung gewonnen.
Historische Anwendungsgebiete
Labor im frühen 20. Jahrhundert, Symbolbild
1924 wurde entdeckt, dass Indium in Legierungen Nichteisenmetalle wie Aluminium oder Kupfer stabilisieren kann. Die erste konkrete Anwendung fand es in Zahngold in den 1930er Jahren. Im Zweiten Weltkrieg schützte Indium als Legierungsbestandteil stark beanspruchte Flugzeugkomponenten vor Beschädigungen und Korrosion. Weitere frühe Verwendungszwecke waren Lote (in Spezialbereichen wird der Rohstoff bis heute dafür genutzt) und elektronische Bauteile wie Transistoren.
In den 1950ern und 1960ern wurde Indium als Legierungszusatz in den Kontrollstäben von Kernreaktoren eingesetzt. Mit dem Einsatz von Indiumgalliumnitrid (InGaN) in grünen und blauen LEDs kam in den frühen 1990er Jahren eine noch heute relevante Nutzung hinzu. Die bedeutendste kommerzielle Anwendung ist jedoch Indiumzinnoxid (ITO), das ebenfalls seit den 1990ern in LCD-Displays, Touchscreens und Flachbildschirmen breite Verwendung findet.